"Überflüssige Geschenke"
Predigt am 4. Adventssonntag - Lesejahr C
Rechtenbach 21.12.2003


Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder!

Hören wir eine Begebenheit, wie sich vielleicht überall zutragen kann:

"Mutti", sagte ein kleines Mädchen, "warum willst du nicht mit mir spielen?"
"Weil ich keine Zeit habe."
"Warum hast du keine Zeit?" "Weil ich arbeiten muß."
"Warum arbeitest du?" "Um Geld zu verdienen."
"Warum verdienst du Geld?" "Um dir Essen zu geben." Kleine Pause.
Dann sagte das Mädchen: "Mutti, ich habe keinen Hunger."

Ich will jetzt kein super teures Spielzeug, ich mag auch nicht Fernseh gucken, ich will jetzt auch kein tolles Computerspiel, ich will, daß du Zeit für mich hast und mit mir
spielst.

Es ist nicht leicht den Ansprüchen von Kindern gerecht zu werden, weil sie oft gerade dann spielen wollen, wenn ich dazu am wenigsten Lust oder auch Zeit habe. Da wird die Geduld so manches Mal aufs äußerste strapaziert, denn Kinder können ganz schön hartnäckig sein.
Allerdings ist es auch nicht der Sinn der Sache, daß man sich am Ende dauernd auf der Nase herum tanzen läßt, schließlich haben auch die Erwachsenen Anspruch auf das, was sie jetzt tun wollen.

Kinder fordern mich heraus und sie beschämen mich nicht selten wegen ihrer verblüffenden Logik. Vor einigen Jahren besuchte ich um den 6. Dezember herum Freunde, die eine kleine Tochter haben. Eine Tante machte dieser Kleinen, gerade als ich da war, ein schönes Nikolausgeschenk. Mit vereinten Kräften schaffte es die kleine Anne, das Geschenkpapier wegzureißen, um sich anschließend nicht so sehr am Spielzeug zu erfreuen, sondern vielmehr an der nutzlosen Verpackung.
Ich hab´mich köstlich amüsiert, weil die Anne den ganzen Nachmittag kein Auge auf ihr schönes neues Spielzeug warf, sondern sich nur für den überflüssigen Pappkarton interessierte.

Alles, was wir geben können, ist völlig nutzlos, wenn es anderen Menschen keine Freude macht. Wir können uns beim Geschenkekauf  noch so sehr ins Zeug legen für unsere Freunde, die Familie, die Eltern und Kinder, wenn wir am Ende keine Zeit mehr haben füreinander, ist alle Anstrengung vergeblich.

Maria machte sich auf den Weg zu Elisabeth. Sie nahm sich die Zeit und scheute auch keine Anstrengung, um ihre Freude über die bevorstehende Geburt ihres Kindes der Cousine mitzuteilen.

Rein äußerlich betrachtet sollte man doch eigentlich erwarten, daß Maria sich jetzt viel eher in ihr stilles Kämmerlein zurückzieht. Wer wollte das damals schon glauben, daß sie den Sohn Gottes gebären sollte?

Für die meisten war es schlicht und einfach ein uneheliches Kind, und somit eine Riesenschande.

Aber...wenn die Geburt des göttlichen Sohnes ansteht, kann und darf das keine Angelegenheit für irgendeinen Hinterhof sein. Voller Selbstbewußtsein und Freude hat Maria deshalb diese Botschaft in die Welt hinaustragen wollen. Es war schon allein deswegen wichtig für sie, weil die Anfeindungen manch rechtgläubiger Pharisäer für sie alleine nicht zu ertragen gewesen wären. Sie braucht die Begegnung und die Freundschaft mit ihrer Cousine Elisabeth.

Das schönste Geschenk, das wir uns gegenseitig machen können, es läßt sich mit nichts bezahlen. Wofür ich Zeit habe, wem ich meine Zeit schenke und was mir wirklich wichtig ist, das bestimme nur ich.

Wir können uns vom Tun Mariens anstecken lassen und uns ebenso wie sie die Zeit nehmen, die wir brauchen, damit die Beziehungen und die Freundschaften, in denen wir leben, Bestand haben.
Schenken wir gerade in diesen Tagen vor Weihnachten nicht nur den Geschäften und dem Kaufrausch unsere größte Aufmerksamkeit. Schenken wir da unsere Zeit, wo andere und ich selbst etwas davon haben.

Denn alles was wir geben ist nutzlos, wenn es anderen Menschen keine Freude macht.

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