Jesus - Superstar 2003?
Predigt am 21. Sonntag i. Jhrkr. - Lesejahr B
Rechtenbach 24.8.2
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Heute gibt es viele Stars, die oft als Pop-Ikone bezeichnet werden. Ein Star im Bereich der Popmusik oder auch im Fußball hat es in seinem Leben verwirkt, noch einmal ganz normal auf der Strasse herumzuschlendern. Sehr schnell bildet sich eine Traube von Menschen, Fans, Anhänger und Pressevertreter, die eine lebende Ikone kennenlernen und anfassen wollen.
Der Starkult ist für die meisten Menschen, die davon betroffen sind, einfach eine Überforderung. Zwar sollen alle Menschen gleich sein, aber dennoch sind manche scheinbar gleicher.
Der Mensch überschätzt sich auch, wenn er denkt, dass dem alles möglich ist, der nur will. Wer sich selbst als Ikone sieht oder verehren lässt, der wird nur zu schnell über seine Menschlichkeit stolpern und entdecken müssen, dass auch die strahlendste menschliche Ikone ihre Grenzen hat.

Um genau solch einen Rummel und Starkult um die Person Jesu scheint es heute auch im Evangelium zu gehen. Vielen Menschen seiner Zeit war es unerträglich anhören zu müssen, wie Jesus selber sich sieht. Wer Jesus nur als Mensch betrachtet, für den muss es schon anmaßend klingen, wenn er sich selbst als das lebendige Brot vom Himmel bezeichnet.

Viele akzeptieren ja auch heute Jesus lediglich als einen außergewöhnlichen Menschen, dessen Wundertaten einfach übertriebene Erzählungen von seiner Zuneigung zu den Schwachen und Kranken sind.

Auch die Jünger selber waren sich manchmal gar nicht so sicher, wen sie da eigentlich vor sich haben. Es gab einige, die an seine außergewöhnliche Verbindung mit dem Göttlichen glaubten und einige, die ihn eher als Teil übertriebenen Fan-Kultes anschauten.

Genau diesen Zwiespalt der Jünger spürte Jesus. Daher kommt auch seine Bemerkung, dass nur der die Verbindung von Gott und Mensch in seiner Person begreift, der das nicht aus eigener Kraft schaffen will, sondern weil Gott selber ihm dieses Vertrauen in den Gottessohn einpflanzt.

Sollen wir das glauben, heute im Jahr 2003? Der Mensch Jesus ist auch Gott, voll und ganz in einer Person. Jesus, mehr als nur Deutschlands oder der ganzen Welt Superstar, der leibliche Sohn Gottes?

Warum will er überhaupt, dass wir so etwas begreifen? Das übersteigt doch jegliches menschliches Verstehen? Wir, die wir gewohnt sind, alles erklären zu können. Und wenn wir selber etwas nicht erklären können, dann gibt es sicher noch einen Spezialisten, der das aufschlüsseln kann.
Aber hier versagen menschliche Erklärungskünste:
Ein Mensch, den man mit der Hand anfassen konnte, der vor 2000 Jahren gelebt hat, den sollen wir auch heute noch als den Sohn Gottes verehren und das soll nicht nur eine fromme Erfindung sein, sondern historisch und real?

Diese vor allem für die Jünger schwer zu verstehende Tatsache ist wie ein Geheimnis, das nicht zu lüften ist. Es bleibt nur die Möglichkeit des Vertrauens. Vertrauen in einen Menschen wie Jesus, das man keinem anderen Menschen gegenüber haben kann.

Menschen, die zu außergewöhnlicher Berühmtheit gelangt sind, können manchmal zwar Vorbilder sein, doch stecken in ihrer Menschlichkeit immer auch Fallen für diejenigen, die an ihnen ihre Lebensgestaltung orientieren.

Der Mensch Jesus Christus, der über das Menschliche hinaus in die Gottheit hineinreicht, kann nie eine Enttäuschung sein. Die Berührung mit seiner Person ist gleichzeitig Berührung mit seiner Botschaft, die nach ihm benannt ist.
Wer so wie Jesus Christ heißt, kann davon profitieren, dass der christliche Glaube keine rein menschliche Grenzen hat. Über das hinaus, was der Mensch vermag, lebt in Jesus die göttliche Perspektive, die den Menschen über das menschliche Maß hinaus tragen kann.

Es gibt viele Menschen, selbst ernannte oder gekürte Ikonen, die sich selbst zum Guru machen oder von den Fans dazu ernannt werden. Doch wo bei der Pop- oder der Fußball-Ikone am Ende nur die Investition der Fans in Kultartikel zählt, damit die gemachten Heiligen ihren übertriebenen Lebensstandard zahlen können, steht bei Jesus alleine der Mensch im Mittelpunkt.
Nicht der Mensch, der besonderes leisten kann, sondern der Mensch, der im Vertrauen auf Gott sein Leben gestalten will und auf die Botschaft Jesu hört, statt das zu tun, was „man“ halt so tut.

Das lautere Geschrei kommt sicher von denen, die sich die Medien zu eigen gemacht haben, um nur ja immer im Gespräch zu bleiben. Die Qualität hat aber alleine der Mensch gepachtet, der sich als Christ auf das verlässt, was nicht mit Geld zu bezahlen ist: Die Zuneigung eines Gottes zu mir kleinem, vielleicht völlig unbekannten und so gar nicht besonderem Menschen, der durch die Liebe Gottes und seine Zuneigung zum Kleinsten und Schwächsten das Gefühl hat vor Gott ein ganz besonderer Star zu sein.