„Respekt voreinander leben!“

Patroziniumspredigt
MARIA HEIMSUCHUNG
Rechtenbach – 2.7.2006

 

Lesung: Röm 12, 9-16b  Evangelium: Lk 1, 39-56

Einstieg: Bilder von alten Menschen, die vor ihrem Haus sitzen und ihre Umgebung beobachten
- Dabei nehmen diese Menschen Bilder und Eindrücke in sich auf und verarbeiten sie im Inneren
- das, was die Menschen wahrnehmen, beobachten und erleben, wird mit der persönlichen Lebenserfahrung verglichen
- das so erfahrene und wahrgenommene können alte Menschen nun als Weisheit des Alters ins Leben einbringen

Vergleich zum Rechtenbacher Altarbild: Zacharias schaut gestützt auf einen Stab auf eine berührende Szene
- 2 alte Menschen (Zacharias und Elisabeth) dürfen die Begegnung mit der Jugend (Maria) erfahren
- Elisabeth erkennt in dieser Begegnung (mit Maria) die Berührung mit dem
Göttlichen: „Gesegnet ist die Frucht deines Leibes“
Maria, die zunächst aus sozialem Engagement heraus Elisabeth beistehen will,
wird dadurch motiviert zu ihrem Lobgesang auf Gottes Größe

Erfahrung: Wer das Alter schätzt, wird entdecken, dass er sich nicht nur für einen anderen aufopfern und hergeben muss, sondern er wird ein reich Beschenkter!

Vgl. Ansprache Papst Benedikts auf dem Marienfeld an die Jugend:
„Wir dürfen zum Beispiel die alten Menschen nicht ihrer Einsamkeit überlassen, an den Leidenden nicht vorbeigehen. Wenn wir von Christus her denken und leben, dann gehen uns die Augen auf, und dann leben wir nicht mehr für uns selber dahin, sondern dann sehen wir, wo und wie wir gebraucht werden. Wenn wir so leben und handeln, merken wir alsbald, dass es viel schöner ist, gebraucht zu werden und für die anderen da zu sein, als nur nach den Bequemlichkeiten zu fragen, die uns angeboten werden.“

Die Begegnung von Maria und Elisabeth – gerade wie es auf unserem Altarbild dargestellt wird – ist nicht nur ein Handreichen der Generationen, es ist gleichzeitig auch ein Symbol gegen den Egoismus unserer Zeit, der die Menschen nicht persönlich bereichert, sondern immer ärmer macht.

Glück erfährt nicht der Mensch, der Karriere macht und sich immer mehr leisten kann und Zeit nur für sich selber hat. Immer häufiger spüren die Menschen, dass sie in der totalen Selbstbereicherung immer mehr vereinsamen.

Die Auseinandersetzung von Jung und Alt ist nicht immer einfach, die Sorge für einen kranken Menschen führt nicht selten an die absolute Grenzen des Ertragbaren. Aber das für den anderen da sein hinterlässt das Gefühl zu wissen, warum man es tut. „Ich weiß wenigstens, wofür ich das tu!“ hat mir jemand gesagt, die jeden Tag sich an die Pflege ihrer Eltern gebunden weiß.

Ich spüre, dass diese Begegnung von jung und alt in unserer Pfarrei von nicht wenigen in vorbildlicher Weise praktiziert wird. Die Eigenheiten mancher alter Menschen zu akzeptieren ist dabei für junge Menschen genauso schwer, wie die Akzeptanz junger Menschen mit ihrer Sprunghaftigkeit und manchmal lauten Lebendigkeit für alte Menschen.

Entscheidend bleibt, dass man in der Unterschiedlichkeit voneinander lernen kann. Nicht alles, was die Jugend macht ist richtig, aber auch nicht alles, was die ältere Generation macht, muss der Weisheit letzter Schluss sein.

Ein Kompendium des guten Miteinanders entwirft uns deshalb Paulus im Römerbrief, wenn er über die geschwisterliche Liebe spricht: „Übertrefft euch in gegenseitiger Achtung!“

Respekt voreinander ist die Grundlage jeglichen Miteinanders. Die Sprache verrät dich! Wir sollten uns gut überlegen, wie wir untereinander über andere – vor allem Abwesende – herziehen. Selbst wenn es über prominente Persönlichkeiten geht, denen das scheinbar nicht weh tut, wenn wir über sie schimpfen, es steht uns nicht gut an, schnell über andere zu urteilen.
Die Fehler der anderen geben uns nicht das Recht über sie herzufallen. Respekt meint, dass wir voll Ehrfurcht auf den Mitmenschen schauen, der trotz seiner Fehler von Gott nicht weniger geliebt wird als wir selbst.

Maria und Elisabeth reichen sich vor unseren Augen die Hand und bleiben so auf dem Altarbild verewigt. Sie schauen sich in die Augen und können das ohne Problem tun, weil unter ihnen kein böses Wort über den anderen gefallen ist.

Genau das bewundert Zacharias, wenn er ehrfurchtsvoll die Begegnung der beiden Frauen betrachtet und genau das bleibt für immer das Ideal unserer Pfarrgemeinde: in der Begegnung untereinander nie den Respekt vor dem anderen verlieren!

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