" Zum Aufstand bereit"

Predigt Osternacht

Rechtenbach 2004

 

Wir sind zum Aufstand bereit, es ist an der Zeit, wir leben unsern Glauben und sind durch Gott befreit.

So lautete vor vier Jahren das eigens für das Schönstattzeltlager komponierte Lied, das uns als Motto über die zehn Tage begleitet hat. Im Jahr 2000 fanden die Zeltlager der Schönstattjugend der Diözese nicht wie sonst an verschiedenen Orten statt. Auf einer riesigen Wiese gestalteten über 200 Jugendliche aufgeteilt in die vier Regionen Untermain, Würzburg, Bad Kissingen und Main-Spessart ihr jährliches Zeltlager.

Unter dem Gedanken, dass man als Urchristen sich in der Gemeinschaft versammelt, um sich aus dem gemeinsam gelebten Glauben Kraft und Selbstbewusstsein zu holen, machten sich die Jugendlichen Gedanken, wie sie die Welt gestalten können. Zunächst einmal die Welt im alltäglichen Zeltlagerleben, aber dann auch darüber hinaus, die Welt der Menschen außerhalb des Zeltlagers.

Wir sind zum Aufstand bereit, es ist an der Zeit, wir leben unsern Glauben und sind durch Gott befreit.

So hört man es von dem einen oder anderen damaligen Zeltlagerteilnehmer noch heute manchmal singen, weil das Selbstbewusstsein als Christen damals in einer starken Gemeinschaft gewachsen ist.

Wenn man zusammenlebt mit Gleichgesinnten, die alle versuchen ihr Leben bewusst mit Gott zu gestalten, dann ist zwar nicht alles im Miteinander perfekt, aber das Wirken Gottes wird spürbarer, weil er in dieser Gemeinschaft eine Realität ist, die nicht verleugnet wird.
Die Gemeinschaft lebt da ganz stark von dem Bemühen, miteinander den Glauben zu leben.

Das ist genau der Punkt, der es uns heute oft schwer macht, unser Christsein aus den Zwängen dessen zu befreien, was heute oft nicht mehr opportun, angesagt oder einfach cool ist.

Vor kurzem habe ich in einer Gruppe Jugendlicher gesagt: „Ich träume davon, dass es eines Tages mal in einer Fußballmannschaft, die am Sonntag Vormittag zu einem Spiel eingeteilt ist, 10 Spieler gibt, die sich weigern zu spielen, weil ihnen zwar ihr Fußball heilig ist, aber doch nicht so heilig ist, dass er den Gottesdienst ersetzen könnte.

In solchen gesellschaftlichen Zwängen bewegen wir uns oft, dass unsere persönliche Überzeugung unseren anderen Interessen konträr gegenübersteht. Wie sollen wir uns entscheiden? Ein Mensch, der heute aus christlicher Überzeugung sich anders entscheidet als man das von ihm erwartet, der erntet oft nur Kopfschütteln: „Ach komm, in die Kirch kommst du noch oft genug!“

Erwarten kann man das nicht von einem jungen Menschen und auch nicht von Erwachsenen, dass sie für ihre persönliche Überzeugung den Kopf hinhalten. Man kann und darf das auch nicht erzwingen. Es gibt nur einen Weg, um unsere christliche Überzeugung wieder stärker als Realität in der Gesellschaft erfahrbar zu machen. Wir brauchen ein neues Selbstbewusstsein als Christen, das uns die Kraft gibt, das was uns wichtig ist, zu leben.

Wir sind zum Aufstand bereit, es ist an der Zeit, wir leben unsern Glauben und sind durch Gott befreit.

Wir können unseren Glauben nur dann wirksam auch nach außen sichtbar leben, wenn wir die Erfahrung einer inneren Befreiung machen. Das aber ist genau das, was wir an Ostern feiern. Jesus hat uns befreit und uns die Kraft zu einem neuen Aufstand gegeben.
Alleine im Evangelium der Osternacht wird dreimal vom Aufstehen geredet. Die Männer beim leeren Grab fragen die Frauen, ob sie denn nicht wissen, dass Jesus auferstanden ist. Sie verweisen auch noch darauf, dass es schon früher hieß, dass er am dritten Tage auferstehen wird. Und schließlich heißt es noch, dass Petrus selber aufstand, um sich dann zu überzeugen, dass die Botschaft der Frauen, die vom Grab kamen, wirklich wahr ist.

So richtig fassen und begreifen konnten es alle nicht, was mit Jesus nach seinem Tod geschehen war. Selbst als Petrus das leere Grab sah, schien er noch nicht recht zu wissen, was da eigentlich los war. Es heißt, dass er voll Verwunderung war. Ob er da schon an die Auferstehung aus tiefstem Herzen glauben konnte, können wir nach diesem Bericht nicht sicher sagen.

Es macht uns auf jeden Fall eines klar: Die Auferstehung Jesu ist ein Geschehen, das wir nicht gleich begreifen. Dieses Geheimnis muss wohl allmählich in uns reifen. Es braucht deswegen so viel Zeit, weil es uns herausreißt aus unserem alten Denken.
Das Leben geht nicht auf wie eine mathematische Gleichung. Wir Menschen haben nicht alles im Griff, auch nicht unseren Glauben. Der Glaube ist einerseits Geschenk Gottes an uns, eine Gnade also. Auf der anderen Seite ist der Glaube an die Auferstehung das gewachsene Vertrauen in Gott, dass er uns mehr Kraft gibt als wir aus uns selber herausholen können.

Wir sind zum Aufstand bereit, es ist an der Zeit, wir leben unsern Glauben und sind durch Gott befreit.

Ob wir genug Kraft finden zu unseren persönlichen Glaubensüberzeugungen zu stehen, ob wir den Mut haben den Mund aufzumachen, wo viele schweigen, ob es uns gelingt unaufdringlich, aber dennoch selbstbewusst unseren Glauben an Jesus Christus mit den notwendigen Konsequenzen zu leben, hängt nicht zuerst an uns alleine, sondern vor allem an unserem Vertrauen auf den, der den Tod und alles, was die Lebensqualität der Menschen verhindert, überwindet und alle Menschen in seiner Auferstehung befreit.

Wir sind zum Aufstand bereit, es ist an der Zeit, wir leben unsern Glauben und sind durch Gott befreit.

 

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