Predigt am 4. Adventssonntag - Lesejahr A
Rechtenbach  19.12.2004
Lesung: Jes 7, 10-14                     Evangelium: Mt 1, 18-24

 

Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder!

„Ich brauch das manchmal, wenn ich auf eine Party gehe, dass ich erst mal was Alkoholisches trinke, um in Stimmung zu kommen.“
Ohne Alkohol scheinen wohl nicht wenige zu schüchtern zu sein, um auch mal vor anderen ausgelassen zu sein.
Das ist eine Art von geliehenem Selbstbewusstsein, das auf Dauer aber zerstörerisch wirkt, weil es die eigene Persönlichkeit verleugnet und nicht ernst nimmt.

Was denken denn die Leute, wenn man etwas anders tut, als es die Norm vorschreibt? Wie sieht das dann nach außen aus?
Das ist eine Form von Unterdrückung, die wir uns selbst machen. Das geht bis hinein in den ganz normalen Weihnachtsstreß-Wahnsinn, bei dem wir uns ebenfalls auf der verzweifelten Suche nach passenden Geschenken unsere Identität auch nur aus einer rein wirtschaftlich und wachstumsorientierten Medienwerbewelt ausleihen.
Wir stehen in dieser Zeit manchmal unter einem notorischen Kaufzwang besetzt mit Ängsten, dass wir das falsche Geschenk für unsere Liebsten kaufen und damit in Ungnade bei unseren Mitmenschen fallen.

Schon Wochen vor Weihnachten lassen wir es uns gefallen, dass die Geschäfte uns zudröhnen mit Weihnachsgedudel und hören artig auf eine sehr wirksame Werbemaschinerie, die uns eintrichert, dass wir nur ja schöne und tolle Geschenke an Weihnachten kaufen, damit wir bei unseren Freunden, Familien und Bekannten immer gut angesehen sind.

Aus all diesen Zwängen lässt sich sehr gut fliehen, wenn wir mal an die Ursprünge schauen. Da ist zum einen Maria, die ein Kind erwartet, obwohl sie mit ihrem Verlobten noch gar nicht verheiratet ist. Für uns heute kein großes Problem mehr, weil es leider schon für nicht wenige zum normalen Zustand geworden ist.
Aber in der damaligen Zeit droht ihr eine radikale Ausgrenzung. Zwar erwähnt der Evangelist Matthäus noch, dass dieses Kind vom Heiligen Geist ist, aber wer sollte ihr das glauben?
Was im Evangelium gar nicht erwähnt wird, eher vorausgesetzt ist, das ist das Selbstbewusstsein einer jungen Frau, namens Maria, das aus einem übergroßen Vertrauen in das Handeln Gottes entspringt. Aller Spott und Hohn, der ihr mit einem unehelichen Kind droht und selbst die drohende Trennung von ihrem Verlobten, nimmt sie mutig in Kauf um eines höheren Ideals willen.

Und Josef? Für einen Verlobten, dem scheinbar Hörner aufgesetzt wurden und für einen in der damaligen Zeit in seiner Ehre derart verletzten und beleidigten Mann scheint er sich ja sehr großmütig zu verhalten. Dass er Maria in aller Stille verlassen will, hätten vor 2000 Jahren sicher nur wenige Männer gemacht. Die Schande wäre somit nicht nur über seine Verlobte Maria gekommen, sondern auch über ihn, wenn er sie nicht ihrer gerechten Strafe für ihr schändliches Handeln zuführt.
Denn auch für Josef ist zunächst nicht anzunehmen, dass er bei der Schwangerschaft Mariens an das Wirken einer höheren Macht geglaubt hat.
Erst als der Engel ihm im Traum erscheint und deutlich macht, dass er hier nicht von einer Untreue Mariens ausgehen kann, sondern von einem unglaublichen Handeln Gottes an Maria, in der der Retter der Welt heranwächst, steht er seinen Mann und bleibt an ihrer Seite, um ihr die Geborgenheit einer schützenden Familie zu gewähren.

Der Engel selbst trifft hier im Namen Gottes eine klare Anordnung und verlangt von Josef, dass er zu Maria steht und überlässt es nicht seiner freien Entscheidung.
Ich habe versucht herauszubekommen, ob der Befehl des Engels an Josef, Maria zu seiner Frau zu nehmen, eventuell nicht korrekt übersetzt ist und mehr eine Empfehlung an Josef ist. Aber der Wortstamm weist ganz klar auf eine deutliche Anordnung des Engels hin: Steh zu deiner Verlobten und lass sie nicht im Stich, denn das Kind kommt von Gott selbst.

Josef hat das nötige Selbstbewusstsein, diesen Auftrag des Engels auch in die Tat umzusetzen. Entgegen allem Geschwätz, das er eventuell zu erwarten hat, steht er Maria helfend zur Seite. Er wird so nicht nur zum menschlichen Vater Jesu, sondern zu einem Vorbild echten und selbstbewussten Mannseins in der heutigen Zeit.
Er sagt JA zu Frau und Kind, weil er spürt, dass das Kind ein außergewöhnliches und nicht zu fassendes Geschenk Gottes ist. So wird er bis heute zu einem Vorbild für alle Männer zu Frau und Kind zu stehen, auch wenn die Umstände schwierig und scheinbar unlösbar erscheinen.

Echte Männlichkeit erschöpft sich nämlich nicht in einem möglichst großen Fassungsvermögen für alkoholische Unterstützungsgetränke für das Selbstbewusstsein. Echte Männlichkeit orientiert sich an Persönlichkeiten wie den Heiligen Josef, der auf Gott hört, der Vertrauen hat und der auch dann noch zu seiner Verantwortung steht, wenn die mehrheitliche Meinung etwas anderes sagt.

Gott will zu uns kommen und unsere Menschlichkeit aufbauen. Wenn wir ihm mit offenen Armen begegnen und ihm unsere Tür und unser Tor weit aufmachen, dann wird er uns auch die nötige Kraft geben, unsere tiefsten inneren Überzeugungen zu leben und als charakterlich gestärkte Männer und Frauen den christlichen Glauben in unser Leben hineinzutragen. Wir können das, weil Gott uns eine große Wertschätzung entgegenbringt, erweisen wir uns dieser Wertschätzung auch als würdig!

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