Predigt am 2. Fastensonntag - Lesejahr B

 

Es ist schon etwas besonderes, wenn ein Außenseiter bei einem Wettkampf den ersten Platz erringt. Keiner hat damit gerechnet und die Freude ist umso größer und überschäumender. Der Favorit wäre mit seinem Sieg wohl wesentlich gelassener umgegangen.

Was uns Menschen unerwartet trifft und so nicht eingeplant war, berührt uns viel tiefer als jedes kalkulierte und genau eingeplante Vorwärtskommen. Wir wollen mal lieber nichts dem Zufall überlassen, um nicht noch negativ überrascht zu werden. Dennoch machen wir die Erfahrung, dass sich nicht alles planen lässt und der Großteil unseres Lebens und unseres Erfolges eher als Geschenk verstanden werden muss.

Jesus hat den Jüngern genau diese Erfahrung bereiten wollen. Seine drei wichtigsten Männer nimmt er beiseite, um ihnen einen kleinen Einblick in das zu gewähren, was über seinen Tod hinaus den Menschen von ihm bleiben wird, seine göttliche Gegenwart.
Während Jakobus und Johannes dem Geschehen auf dem Berg wohl eher sprachlos folgen, drückt Petrus seine Begeisterung deutlich hörbar aus und möchte das Ereignis am liebsten festhalten und von diesem Berg des Hochgefühls gar nicht mehr weggehen.

Jesus weiß, dass die Menschen, die in seine Nachfolge treten wollen, sich nicht nur von geistlicher und religiöser Alltagskost ernähren können. Er möchte ihnen ein geistliches Hocherlebnis verschaffen, die Erfahrung, dass Gott die Menschen berühren möchte und sie mitten ins Herz und ins Gemüt trifft.

Aber dies kann kein Dauerzustand sein, sonst würde manch einer wie der in der griechischen Mythologie mit Flügeln ausgestattete Ikarus im Anflug von Größenwahn der Sonne zu nahe kommen und wegen der das Wachs zwischen den Federn schmelzenden intensiveren Sonnenstrahlen der anschließende Fall sehr tief sein.

Auf dem Berg der Verklärung Jesu werden keine Hütten gebaut, sondern recht schnell wird schon wieder der Abstieg ins Tal geplant. Sind die Jünger da nicht enttäuscht und frustriert, weil nun wieder der lahme Alltag beginnt, der manchmal so gar nichts Begeisterndes an sich hat? Wahrscheinlich sind sie einfach nur verwundert über das, was geschehen ist und auch ein bisschen stolz, dass ihr Meister ihnen diesen Einblick gegönnt hat.

Sie haben vermutlich das begriffen, was etwa 1900 Jahre später ein junger Pater namens Josef Kentenich einer Gruppe Internatsschüler im Gründungsvortrag der Schönstattbewegung gesagt hat: „Wie oft war in der Weltgeschichte das Kleine und Unansehnliche die Quelle des Großen und Größten. Warum sollte das nicht auch bei uns der Fall sein können?“

Die Jünger waren einfache Leute und hatten wohl noch nicht die Vision einer großen Jesusbewegung. Ihre Erwartungen waren wohl eher bescheiden, aber Jesus hat versucht ihnen den Blick für die Größe des Kleinseins zu öffnen.
Der Hinweis Jesu auf die Auferstehung der Toten war für sie nur schwer zu begreifen und hat sie sehr beschäftigt. Erst langsam hat sich bei ihnen eine Ahnung von dem eingeschlichen, was Großes durch ihren Glauben in der Welt entstehen kann. Sie haben gespürt, dass auch sie als kleine Leuchten unter den Menschen einiges in Bewegung bringen können.

Es sind eben nicht immer die gescheitesten, reichsten und berühmtesten Menschen, die für Aufsehen sorgen können, oft ist das Kleine und Unansehnliche die Quelle des Großen und Größten

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