OPTIMISMUS

Predigt am 1. Adventssonntag - Lesejahr A

Rechtenbach 28.11.2004
Lesung: Röm 13, 11-14a / Evangelium: Mt 24, 29-44


Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder!

Wo soll des bloß mal end?
Eine Frage, die sich uns aufdrängt, wenn wir erkennen, dass manche Entwicklungen in unserer modernen Gesellschaft nicht unbedingt auf die Zukunft hoffen lassen.

Immer mehr Ehen werden beinahe wie normal geschieden, immer weniger bequemen sich aus ihrem luxuriösen Haus heraus, um sich für die Allgemeinheit zu engagieren, immer mehr Kinder drängen sich vor dem Fernseher und Computer und die neuesten Pisastudien lassen von daher nicht gerade auf ein mehr an Bildung hoffen.

Man kann, wenn man das möchte, aus manchen Tendenzen des gesellschaftlichen Lebens eine Art Untergang des christlichen Abendlandes sehen. Man kann, man muß es aber nicht.

Der Blick in die Zukunft wird von Jesus als Blick auf das irgendwann einmal kommende Ende der Welt ganz und gar nicht in düsteren Farben gezeichnet. Wir können uns eher wundern über die Tatsache, dass Jesus das nahende Ende mit einem aufblühenden Feigenbaum vergleicht. Eigentlich ein widersprüchliches Bild: das Ende der Welt und das Ende des Lebens macht uns eigentlich eher Angst. Von daher haben schon immer viele Künstler dieses Ende auch in den düstersten Farben und erschreckendsten Bildern gezeichnet.
Schade eigentlich, dass unsere Fantasie es kaum zulässt, sich das Ende der alten Welt etwas farbenfroher vorzustellen, da doch immerhin nach einer alten Welt eine neue folgen sollte, in der vielleicht so manches noch viel besser ist.

In den Endzeitprophezeiungen geht es deshalb im Grunde auch nicht um Panikmache vor dem Neuen und noch nicht Fassbaren, sondern eher um die neue Hoffnung auf eine noch bessere Zukunft. Wir stolpern in all dem aber immer über unseren Pessimismus und unsere Schwarzseherei. Dabei will gerade hier Jesus unsere Zukunftsangst entkräften. Indem er auf das Ende verweist, möchte er uns motivieren, die Zeit, die uns jetzt geschenkt ist, gut zu nutzen. Die Betonung liegt auf: „gut zu nutzen!!!“

In den Medien wird uns heute oft – sicherlich auch nicht ganz unberechtigt - Angst gemacht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Die Wirtschaft geht bergab, immer weniger wird investiert, die Politik wird immer unglaubwürdiger und echte Autoritäten werden langsam zur Mangelware. Selbst wenn solche Probleme und Sorgen nicht aus der Luft gegriffen sind, bleibt dennoch die Frage, warum so sparsam über die Entwicklungen berichtet wird, die hoffen lassen und Mut machen.

Es erstaunt sicherlich viele, wie friedlich die Demonstrationen in der Ukraine angesichts eines objektiv festgestellten Wahlbetrugs ablaufen. Es ist faszinierend festzustellen, dass auch heute noch in Deutschland gern gespendet wird, wo Hilfe sinnvoll und nötig ist. Es ist erstaunlich, dass beim Rückblick auf das vergangene Jahr wieder über 100 Menschen in unserer Pfarrei mit angepackt haben, um das Leben in unserer Kirche mit persönlichem Engagement zu bereichern.

Ich frage mich, wo das bloß enden soll, wenn wir so wachsam füreinander werden, dass uns die Not und die Probleme des anderen nicht entgehen? Wo soll das enden, wenn unser Engament für andere eine Selbstverständlichkeit für viele wird? Wo soll das enden, wenn immer mehr junge Menschen entdecken, dass der Glaube an Jesus Christus nicht Ballast, sondern Bereicherung für ihr Leben ist? Wo soll das enden, wenn nicht nur die Menschen in der Ukraine, sondern wir alle lernen, unsere Konflikte immer öfter friedlich zu lösen?

Das ist ein Blick auf die Zukunft, der gar nicht schmerzt, sondern mich hoffen lässt, weil ich darauf vertrauen kann, dass Gott am Ende für ein gutes Ende sorgt. Ich brauch das nur noch in meinem Leben zuzulassen!

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