Predigt  zum Karfreitag 2003

 

Jesus, der von Johannes getauft worden ist

Eines der neuen Gesätze im lichtreichen Rosenkranz beschreibt die Johannestaufe Jesu im Jordan. Was uns am Kreuz unfassbar erscheint, dass der Sohn des allmächtigen Gottes einen grausamen Tod sterben soll, steht schon andeutungsweise am Beginn des Wirkens Jesu.
Hat Jesus überhaupt diese Umkehrtaufe des Johannes nötig, noch dazu wo bei seiner Taufe der Heilige Geist erscheint und deutlich macht, dass Jesus nicht einfach nur ein guter Mensch, sondern eben Sohn des Höchsten ist?
Manch einer mag Angst haben, vor so einem allzu menschlichen Gott, der so sehr im Menschlichen aufgeht, dass man angesichts des Todes Jesu am Kreuz sogar von einer Ohnmacht Gottes sprechen möchte.
Kann Gott nicht mehr? Ist er an eine Grenze gelangt, die er selbst nicht überschreiten kann? Hat er den Menschen einfach nicht mehr im Griff?

Jesus wird von Johannes nicht getauft, weil er sich klein machen will, sondern weil er damit den Menschen groß macht. Umkehr und Versöhnung ist nichts Unwürdiges, denn selbst der Sohn Gottes empfängt die Würde der Umkehrtaufe.
Das Kreuz ist eigentlich nur für nichtsnutzige Verbrecher gedacht, von Würde keine Spur mehr. Aber der Gottessohn hat keine Angst vor dieser Entwürdigung, weil es nicht an der Macht Gottes kratzt.

Von der Taufe Jesu im Jordan bis hin zum Tod am Kreuz zeigt Jesus in aller scheinbaren Entmachtung den aufrechten Gang. Er braucht keinen goldenen Thron, er braucht keine menschliche Macht, er hat auch keine Bestätigung durch die Einflussreichen und Weisen nötig. Indem er bis in die letzten Winkel seines Seins die Menschlichkeit annimmt, zeigt er uns den Wert des Lebens unabhängig von allen gesellschaftlichen Konventionen.

Der Versager ist so viel wert wie der Karriere-Mensch, der einfache Mann auf der Strasse ist nicht weniger als ein Superstar, jeder darf sich als König erfahren, der im Palast des Herzens Gottes wohnen darf.

Jesus lässt es auch nicht beim Sterben und bei der Ohnmacht vor den Grausamkeiten der Menschen. Der Tempelvorhang zerreißt und mit ihm die alte Welt und ihre Einteilung in wertvolles und wertloses Leben.

Jesus selber wird so zur Kraft, das eigene Leben mit seinen Minderwertigkeitsgefühlen zu überwinden und den Schatz zu entdecken, der im Leben eines jeden Menschen steckt.

Der von Johannes getaufte Jesus ist am Kreuz für uns gestorben und mit ihm ist auch unsere Ängstlichkeit, unsere Hilflosigkeit und unser Eigensinn gestorben. Was uns belastet, dürfen wir ans Kreuz hängen und darauf vertrauen, dass Gott uns Kraft schenkt zum Leben, das aus dem Tod erwächst. Seine Liebe kann uns verändern, weil sie verlässlich und dauerhaft ist und weil er sie uns auch dann nicht entzieht, wenn wir sie scheinbar nicht mehr verdient haben.

 

Ein Blumenmeer zur Kreuzverehrung am Karfreitag

Bild Yvonne Vogeltanz

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