Eucharistie – Liebe ohne Leistung
Predigt am Gründonnerstag
Rechtenbach, 24.3.2005


Liebe Schwestern und Brüder!

Wenn Sportler zu einer Profimannschaft gehören, zählt es ganz und gar nicht zu den Kavaliersdelikten, wenn man ab und zu mal das Training versäumt. Gesetzt dem Fall, dass der Sportler stattdessen für sich selbst trainiert, wäre das fehlende Erscheinen beim Training wirklich nicht so schlimm. Aber in den meisten Fällen ist das wohl nur eine bequeme Ausrede, um sich nur nicht anstrengen zu müssen. Die Folgen erntet der Sportler früh genug. Wer im Leistungssport nicht ordentlich trainiert ist, kann in der Spitze nicht mithalten und verliert sehr schnell den Anschluss. Vorbei ist es mit der Karriere, vorbei sind die Träume von Ruhm und Erfolg und ersehnten Meisterschaften. Sehr schnell dümpelt ein talentierter Sportler im Mittelmaß und muss von nun an seinen vergebenen Chancen nachtrauern.

Vergebene Chancen erleben aber nicht nur Leistungssportler, wir alle tragen abseits von sportlichen Talenten noch eine Vielzahl von Fähigkeiten in uns, von denen die einen stärker und die anderen schwächer ausgeprägt sind. Eines ist ihnen aber gleich, wenn wir nicht daran arbeiten, werden unsere Fähigkeiten nie zur Geltung kommen und wir müssen uns ewig mit dem Mittelmaß zufrieden geben.

Jetzt hat Jesus uns aber etwas geschenkt, an dem wir selber eigentlich nichts machen müssen. Er hat uns etwas gegeben, das von uns nur Zeit fordert, aber keine Anstrengung. Es ist sein Geschenk an uns, das uns helfen kann, unser Leben so zu gestalten, dass es uns selber und die Menschen um uns verändern kann. Dieses Geschenk heißt Eucharistie und hat intensivere und wertvollere Folgen als das beste Training und die tollsten Beziehungen zum Karriereaufschwung.

Eucharistie bedeutet eigentlich nichts und doch alles.
Die Eucharistie ist die Feier der Erinnerung an die Ohnmacht Jesu vor dem Kreuz. Das ist das Nichts, das ist die Hilflosigkeit, die jeder schon mal in seinem Leben erfahren musste. Situationen, in denen einfach nichts mehr geht und ich keine Antworten und Lösungen habe.
Beim letzten Abendmahl verstehen davon die Jünger nur Bahnhof. Sie begreifen noch nicht, was Jesus tut, wenn er ihnen Brot und Wein austeilt und ihnen erklärt, dass darin sein Leib und sein Blut steckt.
Kein Wunder, dass Petrus bei der Fußwaschung entsetzt ist, dass Jesus einen niederen Dienst für sie tun will. Kein Wunder, dass er große Sprüche macht und meint, dass er diesen Dienst Jesu nicht nötig hat.
Aber genau in diesem nichtsnutzigen Dienst Jesu, in dieser sklavischen Handlung steckt das Alles der Eucharistie.

In Brot und Wein schenkt sich uns Jesus ganz, mit seiner Menschlichkeit, mit seiner Hilflosigkeit am Kreuz, mit seiner Schwachheit. Aber das Große darin ist, dass es nicht an dieser Zerbrechlichkeit endet.
In dieser Schwachheit erwächst plötzlich eine Riesenkraft.
Denn nicht die Starken, die den Mund groß aufreißen und die Welt beherrschen wollen, sind am Ende die Sieger. Nicht die Römer, die das Volk Israel unterdrücken, überdauern die Zeiten, und auch nicht die vielen anderen Machthaber, die sich in ihrer Anmaßung immer als Nabel der Welt verstehen.

Die Liebe Jesu hat eine Ausdauer, die mit dem besten Training nicht zu erreichen ist. Seine Schwachheit, seine Hingabe, seine Opferbereitschaft hat alles überdauert.
In der Eucharistie ist uns nicht nur die Erinnerung an Jesu Kreuzestod für uns geschenkt. Sein Opfer der Liebe wird uns jedes Mal neu vor Augen gestellt.
In jeder Eucharistiefeier erleben wir den Tod und die Ohnmacht Jesu am Kreuz und dürfen so erfahren, dass Jesus täglich für uns da sein will. Seine Liebe ist nicht nur einmal vor 2000 Jahren im Tod am Kreuz konkret geworden, sondern in diesem Mahl dürfen wir seine Zuneigung immer dann erfahren, wenn wir zur Kommunion gehen.

Ein Sportler, der keinen Bock mehr auf Training hat, hat meist auch keine Lust mehr auf seinen Sport. Es ist ihm nicht so wichtig und man sieht ihn immer seltener auf dem Sportplatz.
Um bei Jesus zu sein, brauchen wir keine Leistung zu erbringen, wir müssen uns eigentlich nicht mal großartig anstrengen, um spitze zu bleiben. Es genügt, wenn wir zu ihm kommen.

In der Eucharistie bietet er sich uns an. Lassen wir es nicht zu, dass unsere Gleichgültigkeit siegt. Lassen wir es nicht zu, dass die Bequemlichkeit oder die Müdigkeit uns davon abhalten, was wir in unserem Alltag eigentlich oft erfahren möchten: eine Liebe ohne Leistung, die sich verschenkt, ohne danach zu fragen, was wir selber eigentlich zu bieten haben.
Das verändert die Welt und unser eigenes Leben, eine Liebe, die schenkt und großzügig hergibt ohne mich zu fragen, was ich eigentlich zu bieten habe.

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