Predigt an Fronleichnam - Lesejahr B  Rechtenbach 19.06.2003

 

Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder!  

Als wir vom ökumenischen Kirchentag in Berlin nach Hause kamen, war ich ganz überrascht, als viele fragten, was wir von dem Streit über die gemeinsame Kommunionfeier mit evangelischen und katholischen Christen hielten. Niemand von denen, die ich kannte und vor Ort waren, haben etwas mitbekommen von den beiden katholischen Priestern, die eine gemeinsame Abendmahlsfeier für beide Konfessionen mitgestaltet hatten.

Viele Menschen zucken hierüber die Achseln und denken sich, dass eines Tages die beiden Kirchen ohnehin wieder zusammenwachsen werden und diese Geschichte ohnehin nicht so dramatisch ist.

Diese Einstellung ist eigenartigerweise sogar etwas positiv zu sehen. Denn noch vor 40 oder 50 Jahren hätten sich katholische und evangelische Christen lieber die Augen ausgekratzt, als eine gemeinsame Abendmahlsfeier in den Blick zu nehmen. Die Unterschiede standen im Vordergrund und keiner wollte realisieren, wie viel Verbindendes eigentlich besteht.

Aber ausgerechnet an der Feier der Eucharistie, des Abendmahls, scheiden sich heute noch die Geister. Warum sind hier die Kirchen noch getrennt?

In einem Buch zum Kennenlernen der evangelischen Kirche, das ich einmal von einer evangelischen Pfarrerin geschenkt bekommen habe, wird über das Geheimnis des Abendmahls gesagt: „Zum Essen und Trinken muß der Glaube kommen.“
Das heißt, für den gläubigen Christen, der die Kommunion empfängt, ist das Brot der Leib Christi. Was aber ist, wenn der Empfänger keinen ausreichend starken Glauben hat? Ist dann das Brot nicht mehr Leib Christi?
Die katholische Kirche hält deshalb ganz klar fest: Unabhängig vom Empfänger wird das Brot, das in der Gabenbereitung zum Altar gebracht, durch die Einsetzungsworte, die der Priester spricht in den Leib Christi verwandelt. Auch nach dem Gottesdienst bleibt es der Leib Christi.
Das ist auch der Grund, warum wir heute Fronleichnam feiern können. Die Liebe Gottes bleibt in diesem Brot fest und unzerstörbar erhalten.
Es ist nicht nur ein symbolisches Zeichen, wie es manche evangelische Richtung auch ausdrückt. Es ist Jesus selbst, der in diesem Brot lebendig wird und durch den Empfang eines jeden Einzelnen von uns, dann auch in uns lebendig werden will.

Wir sind im Verständnis des Abendmahls – zumal in Bayern mit der lutherischen Landeskirche – schon sehr nahe beieinander, aber eben noch nicht vereint. Vereinzelt gehen evangelische Mitchristen bereits Schritte mit uns und auch wir gehen auf evangelische Mitchristen zu, nicht nur im fernen Berlin, auch bei uns vor Ort.
Die Vereinigung und die Verständigung kommt im letzten von den Menschen her. Gerade am heutigen Fronleichnamstag, wenn wir im eucharistischen Brot Jesus durch unser Dorf tragen, wird uns das eine klar: Er ist die eigentliche Mitte unseres Lebens und durch ihn wird uns ein Wertmaßstab geschenkt, der die Konfessionen miteinander verbindet.
Wenn wir den Blick, so wie heute, immer auf Jesus lenken, werden wir uns nicht nur für das konfessionelle, sondern auch für das alltägliche Leben mehr auf das konzentrieren können, was uns verbindet als auf das , was uns trennt.

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