Predigt am 4. Fastensonntag - Lesejahr B


 

Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder!

Der Krieg im Irak ist in aller Munde. Nicht wenige sind gerade auch in Deutschland betroffen, weil teilweise Angehörige oder Freunde in die dortigen Kampfhandlungen verwickelt sind. Fast alle Gemeinde hier in unserem Dekanat antworten mit Friedensgebeten. Vor allem die Schüler melden sich mit Friedensdemonstrationen zu Wort und zeigen ihren Unwillen gegenüber kriegerischen Lösungen, die erwachsene Menschen mit Verhandlungen nicht mehr zu lösen fähig sind.
Gleichzeitig dürfen wir aber nicht vergessen, dass es neben diesem einen Krieg in der Welt an vielen Orten kriegerische und brutale Auseinandersetzungen zwischen Menschen gibt. Im Jahr 2001 waren es 46 solcher Schauplätze weltweit.

Der Krieg ist nicht das einzige, was uns bewegt. Es ist auch die wirtschaftliche Krise bei uns in Deutschland, die dauernd hohe Arbeitslosenzahl, die sozialen Probleme und schließlich auch der Mangel an Respekt vor Autoritäten.

Sind das alles vielleicht Anzeichen dafür, dass manche Ereignisse der Geschichte immer wiederkehren? Bereits in der Lesung hören wir vom Untergang des Volkes Israel, als der babylonische König Nebukadnezzar (erstaunlicherweise ist dessen heutiger Nachfolger der Diktator Saddam Hussein) 587 v. Chr. die wenigen Israeliten, die noch am Leben waren, allesamt in die Verbannung in das heutige Irak gebracht hat. Untergegangen war das jüd. Volk an seiner Arroganz und Selbstherrlichkeit, weil sie glaubten, sie brauchen Gott nicht mehr und sich selbst für die Größten hielten.

Weil die Menschen irgendwann einmal dazu neigen, die Finsternis mehr zu lieben als das Licht, kommt in die Welt das Strafgericht. Es ist aber nicht die Strafe Gottes, die sie überzieht. Homo homine lupus, heißt es im Lateinischen. „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“. Wenn der Mensch nicht dafür sorgt, dass durch seine Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit das Licht in die Welt kommt, braucht er sich nicht zu wundern, wenn es dunkel wird. Gott lässt dem Menschen die freie Entscheidung, er zwingt uns nicht zum Guten. Wenn wir uns für das Falsche entscheiden, brauchen wir nicht Gott die Schuld dafür zu geben, dass dann manches in unserem Leben schief geht.

Solches Versagen und Scheitern erleben wir immer wieder. Ich will es ganz offen und ohne Vorwurf ansprechen, weil die Wahrheit sowieso ans Licht kommt. So sehr ich mich auch gerne mit dem Bürgermeister und dem Jugendausschuß des Gemeinderates zusammen für den Jugendraum der Gemeinde engagiere, mussten wir zu der Entscheidung kommen, dass wir den Treff für einige Zeit schließen müssen.
Jetzt wird manch einer vielleicht schadenfroh in die Hände klatschen oder genau sagen können, welche Fehler da gemacht wurden oder wie schlimm angeblich die Jugendlichen heute doch sind.
Aber dem ist folgendes entgegen zu halten:
Scheitern ist ein Teil unseres Lebens, Fehler macht jeder Mensch, nicht nur Jugendliche, (ich würde sagen) vor allem auch Erwachsene. Entscheidend bleibt, dass wir aus diesen Fehlern lernen und sie nicht einfach nur vertuschen. Ich habe vor den Jugendlichen einen Riesenrespekt, die zu den Fehlern, die sie genmacht haben, auch stehen können.

Den Israeliten hat die Zeit, die sie in der Verbannung in Babylon erleben mussten, gut getan. Sie haben begriffen, dass sie nicht selbst der Gott ihres Lebens sein können. Sie haben gespürt, dass all ihr Tun, ihr Können und ihre Fähigkeit nichts ist, wenn sie ihr Leben ohne die Liebe eines mächtigen Gottes gestalten. Das Erbarmen Gottes, das ihnen nach 70 Jahren wiederfahren ist und die überwältigende Erfahrung der Heimkehr, hat ihr Leben und ihren Glauben geprägt.

Ich wünsche diese Erfahrung auch unseren Jugendlichen, dass sie spüren, dass die Erwachsenen Menschen unserer Gemeinde Räume des Lebens für sie bereit halten. Ich wünsche aber auch den Eltern und Erziehern, den Verantwortlichen und Engagierten in der Jugendarbeit, dass sie nicht nur einfach Kumpel, sondern auch Vorbild sein können. Manches, was wir Erwachsenen jungen Menschen zumuten an Regeln und Grenzen, ist für Jugendliche bestimmt oft mal ne bittere Pille. Entscheidend ist aber, dass sie spüren: Wir verlangen etwas von ihnen nicht deshalb, weil wir ihnen den Spass am Leben nicht gönnen würden, sondern weil wir in unserem eigenen Leben und in unserem eigenen Scheitern Erfahrungen gemacht haben, die wir zwar der jungen Generation nicht ganz ersparen können, ihnen aber zumindest als Lebenserfahrung mit auf den Weg geben.

Jesus sagt es uns ganz deutlich: Wer die Wahrheit tut, kommt ans Licht. Wir sollen den Kindern und Jugendlichen nicht unsere Fehler verschweigen oder gar die Fehler der jungen Leute verharmlosen. Glaubwürdig können wir nur sein, wenn wir miteinander offen und ehrlich reden und nicht scheinheilig voreinander alles verschweigen um nicht einander weh zu tun.

Kriege in der Welt und die Ungereimtheiten mancher diplomatischen und politischen Bemühungen fangen schon im Kleinen an. Deshalb hat jeder von uns die Gabe durch seinen Glauben an die Liebe und seinen Mut zur Wahrhaftigkeit die Welt so zu verändern, dass sie im Licht bleibt und wir optimistisch und froh den Blick nach vorne richten können. Wir haben Regeln und Grenzen, die wir brauchen für ein gesundes und menschliches Zusammenleben. Nur so können wir auch dem Glück unseres Lebens, das Gott für uns bereit hält, auf der Spur bleiben. Sehen wir es als Hilfe füreinander an, dass wir uns daran erinnern die Regeln zu beachten, die unser Zusammenleben ermöglichen und sorgen wir so für einen offenen und helfenden Umgang miteinander. Dann erst werden wir immer wieder den Weg ins Licht finden.

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