Ein guter Hirte
Predigt am  4. Ostersonntag - Lesejahr A
Rechtenbach 17.4.2005

 

Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder!

„Wenn der neue Papst zum Weltjugendtag kommt, dann kann ich ihm aber nicht zujubeln!“ Diese Aussage eines Jugendlichen, die vor kurzem nach dem Tod von Papst Johannes Paul gefallen ist, macht deutlich, dass die Verehrung des Heiligen Vaters vor allem bei jungen Menschen kein blinder Popstar Kult ist.
Autoritäten erfahren heute vor allem bei jungen Menschen nicht aus sich heraus schon Respekt und Anerkennung. Die Jugendlichen haben ein feines Gespür dafür, wer es mit ihnen ehrlich meint und wer nur eine Show abzieht.
Wer sich in den Schafstall hintenrum einschleicht, ist ein Dieb und Räuber. Dem geht es nicht um die Schafe, sonst würde er den geraden und offenen Weg nicht scheuen. Wer durchs Hintertürchen einsteigt, den erkennen die Schafe auch nicht als vertrauenswürdig an, denn sie wissen genau, wer der Hirte ist und es gut mit ihnen meint.

Eines der beeindruckendsten Bilder, die sich mir in den letzen Wochen eingeprägt haben, ist der Blick auf den Papst, wie er sich quasi mit letzter Kraft an seinem als Kreuz gestalteten Hirtenstab festhält, um allen Menschen zu zeigen: „Wenn ihr selber keine Kraft mehr habt, so haltet euch an Jesus Christus fest. Denn er allein kann euch Halt und Wegweisung geben.“

In einer Zeit, in der wir heute viele Stimmen hören, die oft widersprüchliche Weisheiten von sich geben, fühlt man sich oft wie auf einer rauhen See und weiß nicht mehr, wo der eigene Standpunkt zu verankern ist. Was ist wahr und was ist richtig? Was hat eine bleibende Bedeutung und was ist nur Modeerscheinung, die uns von dem Weg wegführt, der im Grunde für unser persönliches Leben der einzig Richtige ist?

Haben die Schafe einmal erkannt, wer der richtige Führer und Hirte ist, haben sie keine Angst mehr, ihm zu folgen. Sie wissen ja: Er meint es gut mit uns. Dazu braucht es natürlich erst mal eine Vertrautheit. Aus genau diesem Grund sucht Gott unsere Nähe. Er möchte sich uns immer wieder zeigen, aber wir sind vielleicht für seine Gegenwart zu oft blind.

Alle Medien waren fasziniert von dem unglaublichen Pilgerstrom, der sich auf den verstorbenen Papst zubewegt hat. Vor allem die Tatsache, dass eine riesige Zahl Jugendlicher dabei war, hat viele auch sehr kirchenkritische Medien ins Schlingern bei Deutungsversuchen gebracht.

Man kam nicht darum herum zuzugeben, dass die Kirche noch lange nicht veraltet ist. Gerade junge Menschen suchen nach glaubwürdigen Zeugen, die Jesus in den Mittelpunkt ihres Lebens nehmen. Johannes Paul war da eine herausragende Gestalt. Er ist aber nicht der Einzige.

Am Montag beginnt das Konklave der Kardinäle, dessen Ziel die Wahl eines neuen Papstes ist. Wir sind zwar nicht direkt mit hineingenommen in die Beratungen dieser obersten Kirchenvertreter, aber wir sind auch mit dabei mit unserer Sorge und unserem Gebet um eine gute Wahl und einen guten Hirten. Der neue Papst wird anders, aber er wird auch eine Hirte sein. Wir wollen darum beten, dass er ein guter Hirte wird.
Vor allem aber dürfen wir selber versuchen, unser Beziehung zu Jesus so zu pflegen, dass wir nicht nur auf den Papst als ausgezeichnete Visitenkarte unseres Glaubens verweisen müssen. Wir selber dürfen die Aufforderung Johannes Pauls beim Weltjugendtag 2000 in Rom uns zu eigen machen und daran arbeiten, dass auch wir die Visitenkarte Gottes für eine erneuerte und im christlichen Glauben verwurzelte Welt sind.

Falsche Vorbilder, selbst ernannte Stars und sogenannte Promis existieren nicht zu unserem Heil, sondern sind oft genug wie Diebe und Räuber, die die Gutgläubigkeit der Menschen zu ihrem Vorteil zu nutzen verstehen. Wer sich aber an Jesus festmacht, der darf sicher sein, dass er so zum Weg findet, der ihm das Leben in Fülle verheißt.

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