Der Prophet gilt nichts in der Heimat

Predigt am 4. Sonntag i. Jhrkr. - Lesejahr C
Lesung: 1Kor 13, 4-13    Evangelium: Lk 4, 21-30
Rechtenbach – 1.2.2004


Ich hab bald kee Lust mehr. Da engagierst du dich für einen Verein, für andere Leute, hast dich sowieso schon dran gewöhnt, dass dir das eh keiner dankt, aber wenn man dann noch für seine Arbeit, die man leistet auch noch einen Tritt in den Hintern bekommt, dann vergeht einem sämtliche Lust, überhaupt noch was zu tun!

Leider ist das keine Einzelaussage, immer wieder erzählen mir Menschen von dem Frust und der Erfahrung, dass ihr Engagement für die Allgemeinheit scheinbar ins Leere läuft. Das traurige Ergebnis ist dann oft schon, dass sich gar keiner mehr bereit erklären mag für bestimmte Aufgaben, die es in jeder Gemeinschaft - ob Dorf oder Pfarrei – zu tun gibt.

Wir fühlen uns in dieser Situation von Jesus sehr wohl verstanden, wenn er selber den Menschen seines Heimatortes kritisch entgegen wirft, dass der Prophet in seiner Heimat nicht anerkannt wird. Wörtlich übersetzt würde es sogar heißen, dass kein Prophet in seiner Heimat willkommen ist.

Aber eigentlich wird er von den Menschen seiner Heimatstadt gar nicht so unfreundlich empfangen. Seine Rede fand bei allen Beifall, sie staunten über seine begnadeten Worte. Die Frage, ob er der Sohn des Zimmermanns sein, könnte man vielleicht sogar eher noch als bewundernde und staunende Nachfrage interpretieren: Toll, dass aus dem Sohn Josefs so etwas geworden ist.

Jesus lässt sich nicht blenden von den scheinbaren Schmeicheleien. Er sieht hinter die Fassade und mit seinen kritischen Äußerungen und Verdächtigungen gegenüber seinen Mitmenschen liegt er gar nicht falsch.

Schlagartig ändert sich die Stimmung, als die Menschen merken, dass er nicht zuerst gekommen ist, um Menschen zu heilen und ihnen einfach ein angenehmes Leben zu bereiten. Vielleicht haben sie ja gehofft, dass ihnen die guten Beziehungen zu Jesus etwas einbringen. Jesus deckt ihre Maske auf.

Als er mit den Beispielen von Elijah und Elischa kommt, um deutlich zu machen, dass seine Liebe und damit die Liebe Gottes nicht einige wenige bevorzugt behandelt, nicht einmal die Einwohner Nazarets, werden sie richtig sauer und zeigen ihm recht deutlich, dass er nicht willkommen ist, wenn er ihnen nichts einbringt.

Was Jesus ihnen vorher scheinbar noch in den Mund legt, wird nun durch ihr ablehnendes Verhalten Jesu gegenüber bestätigt: Der kann nur Sprüch mach und lässt keine Taten folgen.

Dabei sind die eigentlichen Sprücheklopfer die Israeliten selbst, an denen Gott zwar immer wieder Wunder tut, deren Glauben aber löchrig wie ein Sieb ist. Das Beispiel Jesu aus dem Alten Testament, als Elijah Aufnahme bei einer Ungläubigen findet und als Elischa trotz des Unglaubens seines Königs einen Ausländer heilt, führt dem Volk Gottes wieder einmal schmerzlich vor Augen, wie schwach doch sein Glaube an Gottes Hilfe ist.

Die Wut, mit der die Einwohner Nazarets Jesus aus der Stadt treiben ist somit letztlich die Wut über ihre eigene Unfähigkeit, dankbar die Hilfe Gottes, die in Menschen vermittelt wird, anzunehmen.

Wer sich engagiert, wer ehrenamtliche Aufgaben übernimmt, dem wird es immer wieder mal passieren, dass die anderen mehr die Haare in der Suppe als die Fettaugen sehen. Daraus spricht manchmal die Hilflosigkeit, dass man selber nicht die Kraft zum Engagement aufbringt.

Gott hat dem Volk Israels seinen Unglauben nicht übel genommen. Er hat ihnen immer und immer wieder verziehen. Auch wenn es schon die Propheten in früheren Zeiten schwer hatten und es heute auch nicht weniger einfach ist, braucht es doch immer wieder Menschen, die sich von Gott in die Verantwortung nehmen lassen, als Vereinsvorstände, als Gemeinderäte, als Bürgermeister, als Mutter, als Vater, als Gruppenleiter und Verantwortliche in der Jugendarbeit. Ich könnte die Liste der Propheten endlos ausdehnen.

Selbst wenn der Prophet es in der Heimat schwer hat, so bleibt er dennoch unverzichtbar. Wenn er sich von den Anfeindungen zerbrechen lässt, zerbricht nicht nur er selbst, es zerbricht auch die Botschaft, für die er gelebt hat.

Jesus hat sich nicht mundtot machen lassen. Im Vertrauen auf den Gott des Lebens, ging er selbstbewusst durch die schreiende und tobende Menge. Sein Vertrauen auf die helfende Hand Gottes hat ihn nicht wanken lassen.

Wir selber müssen auch nicht nur auf unsere eigene Kraft vertrauen, da wären wir oft genug verloren. Gottes Treue zu uns stärkt uns da den Rücken, wo das Geschrei der anderen uns schier ins Wanken bringt. Nicht wer am lautesten schreit hat daher recht, sondern wer im Vertrauen auf Gott seinen Weg geht im Vertrauen auf die Liebe Gottes, die mich nicht fallen lässt.

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