Das goldene Kalb lebt?

Predigt am 24. Sonntag i. Jhrkr. - Lesejahr C
Lesung: Ex 32, 7-11.13-14 Evangelium: Lk 15, 1-10

 

Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder!

In verschiedenen Religionsbüchern gibt es ein Bild, auf dem ein Mensch
dargestellt ist, der vor einem Altar niederkniet und die Hände anbetend
nach oben hält. Auf dem Altar befinden sich aber an Stelle christlicher
Zeichen und Symbole die sogenannten Segnungen und Luxusgüter der
modernen Zeit: Computer, Fernseher, Videospiele, Geld, Schmuck, Autos
und vieles mehr.
Das goldene Kalb, das sich vor über 3000 Jahren das Volk Israel als
Gottesersatz gegossen hat, ist scheinbar noch lange nicht zerstört.
Die Zeit des Wartens auf die Weisungen Gottes, die Gott dem Mose auf dem
Berg mitteilte, war den Israeliten zu lange geworden, so lange, dass sie
scheinbar schon vergessen haben, dass es ihn gibt. Da schafft man sich
schon mal Ersatzgottheiten.
Die Zeit, in der es uns in Deutschland mal so richtig schlecht gegangen
ist, scheint wohl auch viel zu lange her zu sein, um das, was man hat,
richtig schätzen zu können. Oft wird einem erst in der Not bewusst, dass
man sein Leben nicht nur aus eigener Kraft gestalten kann.
Solange man sich die Zeit anderweitig mit schönen Dingen vertreiben
kann, scheint ein Gott, der uns jederzeit die helfende Hand anbietet,
nur dann wichtig zu sein, wenn wir gerade mal ein bisschen Zeit übrig
haben.
Im Buch Exodus wird uns berichtet, dass Gott über diese Phase der
Selbstgefälligkeit der Menschen so sehr erzürnt war, dass er sie
ausradieren wollte, weil sie ein undankbares Volk sind. Doch Mose kannte
die Schwächen der Menschen. Er hat bei Gott vermittelt und sich für sie
eingesetzt, obwohl auch er allen Grund hatte, sich richtig zu ärgern.
Haben es die Menschen damals verdient, dass Gott verzeiht? Haben wir es
heute verdient, dass Gott sich immer wieder auf uns einlässt, obwohl uns
sehr vieles wichtiger ist als unser Bemühen mit Gott von uns aus in
Kontakt zu bleiben?
Gott weiß um die Schwachheit des Menschen und um die Tatsache, dass er
sich sehr gerne von äußerem Schein blenden lässt. Er weiß, dass die
Menschen Sonntags früh lieber ausschlafen und zu bequem sind, den
Gottesdienst zu besuchen. Er weiß, dass die Menschen manchmal lieber
Fußball spielen, Fahrrad fahren oder Frühschoppen machen, aber er hat
Geduld.
Er möchte niemanden verurteilen deswegen, eher noch geht er dem
verlorenen Schaf nach, versucht es zu finden, um da zu sein, wenn er
spürt, dass es ohne Gott, ohne einen starken Glauben eben doch nicht
geht.
Jesus möchte, dass wir ihm dabei helfen. ?Geht nicht auch ihr einem
verlorenen Schaf nach, bis ihr es findet?? Jesus spricht nicht nur über
eine Grundhaltung Gottes den Menschen gegenüber. Er möchte uns darauf
aufmerksam machen, dass auch wir wie Mose Geduld mit den Menschen haben,
auf sie zugehen und ihnen von dem erzählen, was uns wichtig ist und wen
wir in unserem Leben anbeten.
Das goldene Kalb wird nicht zerstört, indem wir es wieder einschmelzen
oder in der Erde vergraben, es wird zerstört, indem wir aufeinander
zugehen und uns trauen davon zu erzählen, was im Leben neben den vielen
Äußerlichkeiten am meisten zählt, nämlich dass wir aufgehoben sind bei
einem Gott, der immer für uns da ist und uns als besonders kostbar und
wertvoll erachtet. Es wäre seine größte Freude, wenn wir aus freiem
Willen ihm ebenfalls diese Wertschätzung entgegenbringen, nicht weil wir
ihm als unserem Schöpfer verpflichtet sind, sondern weil wir es gerne
tun.

 

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