Da geht mir das Herz auf

Predigt Osternacht
Rechtenbach 2006

 

Wobei geht mir das Herz auf?

-  Wenn ich als Fußballfan im Stadion meiner Lieblingsmannschaft inmitten
   tausender gleichgesinnter Fans stehe und den Sieg meiner Mannschaft feiern kann.
-  Wenn ich inmitten hunderttausender auf dem Marienfeld begeistert meinen
   Glauben feiern kann und mich daran erfreue, dass wir Christen doch nicht nur
   ein Mauerblümchen Dasein fristen müssen
-  Wenn ich wenige Tagen vor Ostern bei einem Besuch im Ordinariat in Würzburg
   erfahre, dass uns die Diözese bei dem Bemühen unsere ewig andauernden
   Schulden abzubauen unterstützen will. Die Diözese hat uns einen Sonderzuschuß
   gewährt: 30.000 €. Da geht mir das Herz auf und ich denke, euch auch!

In unserem Leben gibt es immer wieder solch einmalige und außerordentliche Ereignisse,
in denen uns das Herz aufgeht: ein gelungener Schulabschluss, die wunder-schöne
Hochzeit, ein toller Arbeitsplatz, das neue Haus und vieles mehr.

Solch einmaligen und nicht alltäglichen Erfahrungen lassen uns das Herz aufgehen. Wir
brauchen quasi eine Herzerweiterung, weil diese besonderen Ereignisse oft mit so viel
Emotionen verbunden sind. Das Herz muss erweitert werden, damit es mehr Blut
durchpumpen kann und ich nicht ohnmächtig vor Freude und Glück werde.

Die Frauen, die am Ostermorgen zum Grab Jesu unterwegs waren, hatten diese
Herzerweiterung in besonderer Weise nötig. Als sie vor dem leeren Grab standen und die
Botschaft des Engels von der Auferstehung Jesu hörten, ging ihnen das Herz gar nicht auf. Sie sind gewaltig erschrocken. Wie in einem Schockzustand nahmen sie das auf, von dem sie nicht zu träumen wagten: Jesus lebt, er ist nicht tot.

Ich kann diese Frauen verstehen. Es ging ihnen in diesem Augenblick so wie uns selber,
wenn wir eine schier unglaubliche Erfahrung machen: Das kann doch nicht wahr sein! Das gibt es doch nicht! Ich kann es nicht fassen!

Um Ostern zu begreifen, brauchen wir eben eine Erweiterung des Herzens, damit wir vorbereitet sind auf die umwerfende Erfahrung der Auferstehung, die Jesus uns nicht nur vor 2000 Jahren einmalig geschenkt hat. Diese Erfahrung von Auferstehung, von Möglichwerden des schier Unmöglichen, begegnet uns immer wieder.

Deshalb hat gerade in der Osternacht die Taufe ihren besonderen Platz.
Gerade bei einem kleinen Kind, wie den Len, der heute getauft wird, erfahren wir das Leben als besonderes Geschenk.
Es ist etwas Wunderbares, wie aus der Liebe zweier Menschen ein neuer Mensch geschenkt wird.

Wenn wir dieses scheinbar kleine Wunder immer wieder dankbar betrachten lernen, verstehen wir, was es heißt ausgehend von der Auferstehung Jesu Christi, die wir an Ostern feiern, jeden Tag neu solche Erfahrung von Herzerweiterungen zu machen. Jesus ist von den Toten auferstanden, damit uns das Herz aufgeht

Die Auferstehung zieht sich in unserem Leben in vielen kleinen Dingen fort.
Der kleine Len ist ein kleines Wunder, aber mit einer großen Wirkung.
So wie in unserem Täufling Gott in dieser Welt durch einen kleinen Anfang groß werden will, so dürfen wir in vielen kleinen Dingen unseres Lebens die große Liebe Gottes erkennen.

Auferstehung heißt: nichts bleibt in der Dunkelheit, das Leben siegt und setzt sich durch.
Diese österliche Freude können wir nur begreifen, wenn wir unser Herz ganz weit aufmachen, damit die Liebe Gottes in uns wirken kann.

Wenn ich in meinem Lebensalltag deshalb jeden Tag neu Auferstehung im Kleinen erkennen kann, dann darf mir immer das Herz aufgehen, weil es mir eine Ahnung schenkt von der lebenserneuernden Kraft Gottes.

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