Bin ich würdig?

Predigt am 5. Sonntag i. Jhrkr. - Lesejahr C
Lesung: 1 Kor 15,1-11 / Evangelium: Lk 5, 1-11
Rechtenbach - 8.2.2004


Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder!

Der hat noch nie etwas getaugt, mit dem brauchst du dich gar nicht einzulassen.

Immer wieder kommen wir zu solch schnellen Urteilen über andere Menschen. Nur zu schnell neigen wir dazu, das Bild eines Menschen auf immer festzulegen. Besonders bedauerlich ist dabei, dass sich dieses Denken auch in die Menschen einfrisst, die von einer Schuld, die sie einmal auf sich geladen haben, so belastet sind, dass sie sich selbst schon für verachtenswürdig und wertlos halten.

Da tut es gut, sich die dunklenSeiten der Biographie des Apostels Paulus vor Augen zu führen. Gnadenlos hat er als eifernder Schriftgelehrter die sich neu aufbauenden christlichen Gemeinden verfolgt. Bei der Steinigung des ersten christlichen Märtyrers Stephanus wird er sogar im Neuen Testament als einer derer beschrieben, die dabei waren und diese Tat wohl auch zu verantworten hatten.

Da ist es kein Wunder, wenn Paulus, der selbst zum Glauben an Jesus Christus bekehrt wurde, sich im Rückblick auf seine eigene Lebensgeschichte sogar als Missgeburt bezeichnet.

So eifrig wie Paulus die Mitglieder seiner Gemeinden immer wieder als Heilige Gottes bezeichnet, so stark hält er fest an seiner niedrigen Herkunft aufgrund seiner richterlichen Verfolgertätigkeit.
Diese negative Selbstsicht entspringt aber nicht einer depressiven, melancholischen Stimmung, sondern soll einzig und alleine seiner Verkündigung eines Gottes dienen, der über alle Maßen gnädig und barmherzig ist selbst mit dem, der seine Vergebung scheinbar nicht verdient hat.

Immer wieder singen wir in einer der Meßreihen aus dem Gotteslob vor der Kommunion das Lied „O Herr ich bin nicht würdig“ und wir sprechen das auch vor jedem Empfang der Kommunion, aber sowohl Paulus als auch wir selbst bleiben nicht stehen bei der Feststellung unserer Unwürdigkeit.

„Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“, stellt Paulus erfreut fest und weist auch noch darauf hin, dass Gottes Liebe und Barmherzigkeit sich auch positiv auf das Leben auswirkt.
Nicht weil wir uns für toll halten, sondern weil Gott uns trotz unserer Schattenseiten akzeptiert, sind auch wir von Gott anerkannt.

Ein Glück, dass wir auch noch in einer leistungsorientierten Gesellschaft Anerkennung bekommen, die wir uns nicht verdienen müssen, sondern die wir einfach so geschenkt bekommen.

„Du aber mach mich würdig“, bitten wir Gott und dürfen sicher sein, dass diese Bitte erhört wird.

Jesus lässt die Jünger noch einmal auf den See hinausfahren. Sie denken, dass das sinnlos ist, weil sie schon einmal versucht haben Fische zu fangen, aber nichts dabei heraus kam. Aber vieles, was im Leben gelingt, können wir nicht einfach nur unseren Fähigkeiten zuschreiben. Wir brauchen uns nicht einzubilden, dass wir aus uns heraus die Größten sind. Dort gelingt´s, wo wir mit unserer Kraft nicht alleine stehen, sondern Gott das dazufügt, was an unserer Kraft nicht ausreicht.

Paulus war trotz seiner Schatten einer, der von Gott selbst hoch geschätzt und geachtet war und dessen Verkündigung und Glaubenszeugnis in höchstem Grade wirksam war. Wenn wir in aller Bescheidenheit dankbar werden für das Große, das Gott auch an uns tun will, wird die Art und Weise, wie wir unseren Glauben zu leben versuchen genauso nach außen strahlen und leuchten und so wirksam werden.
Wir müssen nur verstehen lernen, dass Gott uns schätzt und hoch achtet. Dann werden wir fähig, die Gaben, die er in uns grundgelegt hat, zum Wohl aller anzuwenden.

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