Bananenbieger und schiefe Bilder

Predigt am 2. Adventssonntag - Lesejahr C

Rechtenbach  - 7.12.2003


Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder!

Viele kennen den berühmten Sketch von Loriot „Das Bild hängt schief“. In diesem Sketch spielt der Komiker einen Mann, der in einem Zimmer auf jemanden warten muß. Dabei fällt ihm auf, dass an der gegenüberliegenden Wand ein Bild schief aufgehängt ist.
Als penibler und ordentlicher Mensch fühlt er sich geradezu verpflichtet, dem Gastgeber zu helfen, das Schiefe wieder gerade zu machen. Doch wie das Leben so spielt, beim Versuch alles wieder hin zubiegen bewirkt er das genaue Gegenteil und hinterlässt das Zimmer aufgrund seiner ungeschickten Vorgehensweise in einem totalen Chaos.

Dieser Sketch ist aber sicher nicht nur deshalb so populär, weil er besonders witzig gespielt ist, sondern weil er viel Wahrheit enthält.
Für Menschen, die dazu neigen in den verschiedensten Situationen alles wieder hinbiegen zu wollen, weil sie besonders harmoniebedürftig sind, findet der Franke in Form des Kabarettisten Erwin Pelzig den einfachen Ausdruck: „Bananäbiecher (Bananenbieger)!“ Mit dieser Bezeichnung trifft er den Nagel nur zu gut auf den Kopf. Manchmal versuche ich Dinge gerade zu biegen, die von Haus aus krumm sind. Nicht alle Situationen lassen sich einfach wieder zurecht biegen. Wo in zwischenmenschlichen Beziehungen durch Streit Verwundungen entstanden sind, lässt sich das nicht durch ein paar Streicheleinheiten wieder gut machen. Vor allem kommt der Mensch in seinem Versuch Krummes wieder gerade zu machen sehr oft an seine Grenze.

Wie schwierig muß uns dann aber auf diesem Hintergrund unserer Lebenserfahrung die Aufforderung des Propheten Jesaja, die Johannes der Täufer aufgreift, anmuten, wenn er von uns verlangt, dass wir dem Herrn die Strassen ebnen sollen? Krummes soll gerade werden, unebenes wieder eben?

Doch die Stimme, die in der Wüste dazu aufruft, dem Herrn den Weg zu bereiten, will uns nicht dafür motivieren, dass wir das Leben der anderen auf die Reihe bekommen, sondern bei uns selber sollen wir beginnen.

Wir sehen das schiefe Bild der anderen, sogar Bananen wollen wir biegen, aber für das Krumme und Schiefe im eigenen Leben sind wir blind.
Wir bemühen uns, viele schöne Geschenke für andere Menschen zu finden, wir wollen ihnen eine Freude machen, aber vergessen dabei, dass nur durch fröhliche Menschen die Freude in die Welt kommen kann.

Es wird immer so sein, dass uns am Bild der anderen etwas stört, irgendetwas hängt immer schief. Wir müssen uns aber davon verabschieden, dass wir das Leben der anderen in die Reihe bekommen, wir können uns nur selbst sortieren. Wenn ich mir mein Leben von einem anderen ordnen lasse, dann werde ich nie etwas finden, weil ich nicht weiß, wo der andere es hingeräumt hat.

Im Leben der anderen ändert sich nur etwas, wenn wir selber in uns die Kraft zur Veränderung finden. Das müssen gar nicht immer grundlegende Dinge sein. Es hilft schon manchmal eine veränderte Sichtweise von Situationen, die mir nicht behagen. So heißt es, dass man sich zwar über alles aufregen kann, aber man eigentlich gar nicht dazu verpflichtet ist.

Alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.
Nicht ich bin der liebe Gott, ein anderer beherrscht die Liebe viel vollkommener, als ich mir das je erträumen kann.

Bereiten wir dem Herrn den Weg, vertrauen wir uns ihm an, denn er ist derjenige, der uns die Kraft gibt, die Schluchten unseres Lebens zu überwinden. Wenn einer dafür sorgen kann, dass das Bild unseres Lebens nicht mehr schief hängt, dann ist er derjenige, der alles ins Lot bringt. Ich muß mich ihm nur einfach anvertrauen, dann werde ich seine Hilfe spüren.

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