Auferstehung im Wellness Zeitalter
Predigt Osternacht
Rechtenbach 2007

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir leben heute in einer Zeit, in der wir durch Leistung oder Termindruck manchmal sehr
belastet sind. Wir wollen vieles, wenn nicht sogar manchmal alles bewältigen und spüren
dabei oft, dass wir dem nicht gewachsen sind. Vielleicht reichen unsere Kräfte ja noch
eine Zeit lang aus, aber irgendwann geraten wir dann doch an die Grenze des menschlich noch Machbaren.
Relaxen, Erholung, Wellness ist deshalb der Trend, der heute notwendig erscheint, damit
wir als Mensch überhaupt noch überleben können.
Die Anforderungen des Lebens sind nur noch zu bewältigen, wenn wir in unserem
geplagten Terminkalender Zeiten des Erholens einplanen.

Darf man sich da eigentlich noch wundern, dass dann heute nur noch wenige etwas mit
einer Botschaft der Auferstehung anfangen können? Es geht doch an Ostern nicht um
Liegen bleiben, ausruhen, sondern um das Aufstehen. Die Ruhe des Grabes wird
aufgebrochen, um der Unruhe des Lebens wieder Raum zu geben.

Wir müssen die Botschaft der Auferstehung Jesu immer in der Zeit verstehen. Das geht
ganz einfach, wenn wir nur den Text des dazu gehörigen Evangeliums aufmerksam lesen.

Zunächst mal kommen einige Frauen mit wohlriechenden Salben zum Grab.
Ein bisschen esoterisch mutet das schon an, was diese Frauen tun wollen. Wozu einen
Leichnam noch mal einsalben? Etwa um den Geruch des Todes zu übertünchen?
Vielleicht geht es ihnen aber doch viel mehr darum, neben der frommen jüdischen
Tradition ein Zeichen der Hoffnung zu setzen: Der Körper ist tot, aber das Leben der
Seele, die darin gewohnt hat, ist nicht tot zu kriegen.
Das Salböl ist Symbol für eine besondere Atmosphäre, die wir Menschen brauchen, um
selbst angesichts der Endgültigkeit des Todes nicht zu verzweifeln.

Dann treffen die Frauen am Grab zwei Männer in leuchtenden Gewändern
Lichttherapie, nennt man eine Methode, wenn ein depressiver Mensch zu therapeutischen
Zwecken regelmäßig in eine spezielle Lampe schauen soll. Dieser Blick auf das Licht soll
bis ins tiefste Innere dringen, damit auch meine innere Dunkelheit vertrieben wird.
Auferstehung erfahre ich da, wo ich den Blick in das Licht nicht scheue. Die Frauen am
Grab Jesu waren fasziniert von dem Licht, das die beiden Männer umstrahlte. Dieses Licht
wurde Teil des Verstehens dessen, was mit Jesus passiert ist. Im Betrieb des alltäglichen Lebens brauchen wir dieses Licht, das oft nicht aus uns selbst
kommt, sondern das uns von außen widerfährt in Menschen, die Gott uns auf den Weg
schickt.

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Jetzt wird es dann scheinbar doch ein bisschen viel für die Frauen: Was sucht ihr den
Lebenden bei den Toten? Sie waren doch selber dabei beim Sterben Jesu! Was soll das?
Aber hier begegnet ihnen eine ganz zentrale österliche Aussage: Jesus gehört nicht zu den
Toten, er muss da gesucht werden, wo Leben ist!
Total verrückt, so verrückt wie der Stein, der nun nicht mehr den Eingang zum Grab
verschließt.
Aber eines wird den Frauen nun klar: Ihr Blick wird erweitert um eine Dimension, die
ihnen bisher vielleicht eher fremd war. Jesu Leben ist nicht mit einem rein menschlichen
Maßstab zu messen, er geht über alles Materielle und Erdverhaftete hinaus. Er ist nicht in dem zu suchen, was tot ist.
Wahres Leben hängt nicht an totem Material, wahres Leben hängt an der Beziehung zu
einem lebendigen Gott, der für Menschen undurchdringliche Grenzen sprengen kann.
Auferstehung heißt also: Gott geht mit uns den Schritt, den wir Menschen aus uns selbst heraus nicht gehen können.

Die Apostel hielten das alles für Geschwätz
So ein Schmarrn, höre ich Petrus und die anderen Jünger sagen. Na gut, Jesus kann ja in
unseren Herzen weiterleben, aber alles andere ist nur Geschwätz.
So denken auch heute noch viele Menschen, aber schon die Jünger mussten irgendwann
zur Kenntnis nehmen, dass Gott das bewirken kann, was sich der Mensch noch nicht
einmal vorstellen kann.
Das Leben, das uns in der Auferstehung Jesu geschenkt wird, geht eben über das
menschlich Machbare weit hinaus.

Am Ende überzeugt sich Petrus selber noch mal vom leeren Grab. Er versteht zwar auch
dann noch nicht wirklich, aber er bleibt zumindest verwundert über dieses
außergewöhnliche Geschehen.

Die Nacht der Auferstehung ist die Fähigkeit an ein Wunder zu glauben. Nicht nur ein
Wunder, das einmal in der Vergangenheit geschehen ist, sondern ein Wunder, das Gott
immer wieder an einem jeden von uns wirken will.
Es ist der Beginn einer neuen Wirklichkeit, in der nicht nur das zählt, was der Mensch aus
sich allein heraus bewegen und bewirken kann, sondern die gläubige Gewissheit besteht,
dass Gott mir im Leben immer das gibt, was ich zum Überleben brauche.
Auferstehung heißt also auch innere Ruhe finden, weil ich weiß, dass Gott das möglich
macht, was für mich nötig ist.

 

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