Predigt am 5. Ostersonntag - Lesejahr B

 

Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder!

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Geschichte der Olympischen Spiele begann, gab es immer wieder Sportler mit Charakter, die auch über das Sportliche hinaus ganz einzigartige Entscheidungen trafen. So trat bereits in Paris um 1900 einer der Sportler, der als höchster Favorit für die Goldmedaille galt, zu seinem Lauf nicht an, weil die Organisatoren den Finallauf auf Sonntag legten. Der Sonntag ist Ruhetag und Tag des Herrn und deshalb könne er es nicht verantworten an diesem Tag sportliche Leistungen zu erbringen. Eine unglaublich strenge Einstellung, aber er war von seiner einmal getroffenen Entscheidung nicht abzubringen. Sein Glaube war ihm wichtiger als jeder irdischer Ruhm, den er mit einer olympischen Ehrung erreichen konnte.

Wenn ich heute an einem Sonntag Morgen zur Kirche gehe, dann kommen mir viele Autofahrer entgegen, die zwar nicht auf der Fahrt zu einem olympischen Finale sind, aber auch nicht gerade den Weg zur nächstgelegenen Kirche suchen.
Nun, man kann und darf niemand zu seinem Glück zwingen. Schlimmer ist aber, wenn man die Menschen von der Möglichkeit, seinen Glauben frei zu leben abhält. Nicht wenigen Kindern und Jugendlichen wird am Sonntag Morgen nicht die Chance gelassen sich für die Pflege ihres Glaubens zu entscheiden.
Mit einer an Hochmut grenzenden Ignoranz werden Sportveranstaltungen auf den Sonntag Vormittag gelegt, weil angeblich eh keiner von den Kindern und Jugendlichen in die Kirche gehen würde. Man macht sich noch nicht einmal die Mühe nach Alternativen des Gottesdienstes zu suchen, dann fällt er eben für die Sportler aus.

Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Sportler sich bekreuzigen bevor sie zur Tat schreiten, manch religiöse Äußerungen auf ihren T-Shirts tragen oder sich auch offen zu ihrem christlichen Glauben bekennen, muß man sich doch die Frage stellen, ob heute die Bedeutung des Christseins bewusst ignoriert wird.
Immer öfter entdecke ich in Interviews berühmter Sportgrößen, die Relativierung der Bedeutung des Sports. Angesichts mancher Ereignisse in der Welt rückt das, was eigentlich die schönste Nebensache ist, immer wieder zurück in die 2. Reihe.
„Ihr könnt keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.“ Das ist die Botschaft, die Jesus uns heute vor Augen hält: Wenn ihr den Draht zu mir verliert, werdet ihr unfähig euer Leben so zu gestalten, dass es euch Erfüllung bringt. 

Es gibt natürlich immer wieder die Qual der Wahl, wenn ich in meinem Leben mich unter den vielen Möglichkeiten entscheiden muss. Gerade die jungen Menschen leiden darunter, dass manchmal das, was ihnen wichtig und bedeutend erscheint, von der Mehrheit belächelt und nicht selten auch verachtet wird.
Man stelle sich die Szene einmal vor, dass ein Jugendlicher sich weigert am Sonntag Morgen für seinen Verein Fußball zu spielen, weil er es gewohnt ist seine Beziehung zu Jesus im Besuch des Gottesdienstes zu pflegen. Da bin ich mir sicher, dass er sich vor seinen Sportkameraden der Lächerlichkeit preisgeben wird und allein deswegen lieber den Weg des geringeren Widerstandes gehen wird.

 

„Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ Wenn Jesus uns das sagt, dann heißt das, dass unser Leben auf Sand gebaut ist, wenn wir alles andere für wichtiger halten als die Pflege unserer Gottesbeziehung. Es reicht nicht am Sonntag morgen einen Waldspaziergang zu machen und mich mit meinen Gedanken selber zu bestätigen und mir das Gefühl zu geben, dass ich schon alles richtig mache.
Die Pflege der Beziehung zu Gott schließt immer auch eine gewisse Form der Selbstkritik mit ein und das Gefühl, dass ich ein Mensch bin, der in Anbetracht der göttlichen Gebote noch manches lernen kann.
 

Das Niveau, das manchmal im sportlichen Miteinander herrscht, scheint ab und zu auch darauf schließen zu lassen, dass dem einen oder anderen ein bisschen Selbstdisziplin und charakterliche Formung durch die Auseinandersetzung mit den christlichen Grundwerten bestimmt nicht geschadet hätte.  

Es macht mich vor allem auch traurig entdecken zu müssen, dass immer wieder einige statt eines gesunden Nebeneinanders bewusst auf Konfrontationskurs gehen, und den Wert und die Chancen christlicher Lebensgestaltung als nicht tauglich für den Alltagsgebrauch abklassifizieren.  

Wir müssen lernen, die richtigen Schwerpunkte zu setzen. „Eine Rebe, ein Zweig, der nichts bringt, kommt ins Feuer.“ Nebensächliches oder gar Unwichtiges darf nicht die Hauptsache ersetzen. Wo kommen wir hin in einer Gesellschaft von Urlaubern, von Waldspaziergängern oder Sportlern, die verlernt haben, was es heißt, dass Gott uns mit seiner Liebe immer einen Schritt voraus ist? Wo landet unsere Gesellschaft, wenn ein jeder sein Schäfchen ins Trockene gebracht hat, er aber nicht mehr gelernt hat auch für andere oder für das gemeinschaftliche Wohl der Menschen Verantwortung zu übernehmen?  

Jesus ist keine Randfigur, dem wir die Zeit widmen können, die irgendwo noch übrig geblieben ist. Es geht Jesus auch nicht zuerst um sich selbst, sondern es geht ihm um die Menschen. Wer seinen Glauben pflegt, tut sich selbst etwas Gutes, weil er dafür sorgt, dass die christlichen Grundwerte von Barmherzigkeit, Verzeihung und Liebe einen Raum in seinem Leben bekommen, der in die letzen Winkel des Alltags hineinwirkt.  

Schließlich mahnt Jesus selber die Bedeutung seines Vaters für unsere Lebensgestaltung an. „Gott wird nicht zuerst durch unser frommes Beten verherrlicht, sondern dadurch, dass wir seine Jünger werden und reiche Frucht bringen.“ Durch unser Neinsagen zu manchen Nebensächlichkeiten, sagen wir JA zur Hauptsache. Wir werden dabei nicht unbedingt auf Verständnis treffen, aber wir bauen mit an der Zukunft.
Sportliche Erfolge vergehen, aber die Liebe Gottes bleibt. Es liegt an uns, ob Gottes Liebe nicht nur als Samenkorn in der Erde bleibt, sondern auch wirklich aufgeht und Frucht bringt und der Weinstock eine Chance auf eine reiche Ernte hat.
Wir brauchen Mut das für das Leben Richtige und Wichtige ins Licht zu halten und Unwichtiges auch einfach einmal sein zu lassen.