Seite - 2 -                                                                   Vorwort

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Gerne erinnere ich mich an so manches Familienfest, das uns aus 
allen Himmelsrichtungen zusammenführte und uns alle bei unserer 
Großmutter versammelte. Es war bei solchen Treffen üblich, dass 
wir gemeinsam abends in der Küche saßen und dabei die 
Fotoalben der Familie herausgekramt wurden. Dabei wurde viel 
erzählt und gelacht; bei ganz alten Bildern gerätselt, wer wohl die 
fotografierte Person sei; manche Anekdote kam ans Tageslicht; 
bisher Unbekanntes wurde weitergegeben; Lebenswege und 
Episoden der Familienmitglieder wurden lebendig und oft - 
jedenfalls für mich - nachvollziehbarer. Unsere Großmutter saß 
dabei und erzählte auf Nachfrage von den verschiedenen 
Umständen oder Ereignissen oder eben auch von ihren Kindern 
(unsere Eltern), die die Fotos zeigten.
Heute kann ich sagen, dass ich durch diese Abende mit den 
Fotoalben nicht nur die Geschichte oder die einzelnen Personen 
meiner Familie besser kennengelernt habe, sondern viel mehr: 
nämlich sie selbst. 

Der Monat Oktober lädt in besonderer Weise zum Gebet des 
Rosenkranzes ein. Für mich ist der Rosenkranz, genau das: wie in 
ein Fotoalbum hineinschauen. Deswegen bete ich ihn auch so 
gerne. Mir kommt es so vor, als ob wir betend in den Seiten des 
Familienalbums Gottes blättern und in den einzelnen biblischen 
Gesätzen unterschiedliche Episoden mit unterschiedlichen 
Menschen an unterschiedlichen Orten betrachten. Uns werden in 
den freudenreichen Geheimnissen Bilder aus der Kindheit und dem 
Jugendalter Jesu gezeigt, z.B. „wie alles anfing“: eine schwangere 
junge Frau, ein Besuch bei Verwandten, die Geburt usw. - genau 
wie in unserem Album. Der lichtreiche Rosenkranz als das nächste 
Album hält Szenen aus dem Wirken Jesu fest. Da sehen wir ihn von 
der Taufe bis zum Abend vor seinem Leiden. Gerade diese zeitlich 
zwar kurze Spanne wird im schmerzhaften Rosenkranz
 
vom Ölberg bis zum Kreuz. Die glorreichen Geheimnisse sind vielleicht so etwas wie das Festtagsalbum, wenn wir darin die Höhepunkte unseres Glaubens finden: Auferstehung, Geistsendung und die Himmelfahrt Mariens.

Ich habe bei unseren familiären Bilderabenden unsere Familie und deren Geschichte besser kennengelernt. So ist es beim Rosenkranz auch. Durch das Gebet schauen wir einzelne Szenen an, 
betrachten die Situation, lernen die Personen, die gezeigt werden besser kennen. Wir dringen durch den Rosenkranz tief in die Lebensgeschichte Jesu ein und können sie als Heilsgeschichte entdecken. Denn wir schauen dabei in das Gesicht Jesu in allen seinen Stationen und können so unser je eigenes Leben mit 
Christus verbinden und uns darin wiederfinden. Denn wir gehören 
mit in dieses Familienalbum als seine Schwestern und Brüder.

 
Der Oktober lädt uns ein, den Rosenkranz zu beten, ihn zu entdecken und einzuüben. Der hl. Papst Johannes Paul II. hat einmal über den Rosenkranz gesagt, dass wir damit das Angesicht Jesu betrachten - aus der Perspektive Marias, seiner Mutter. So wie unsere Oma am Tisch mitsaß und uns erklärend die Familiengeschichte erschloss, so schauen wir mit Maria auf ihren Sohn. Der Rosenkranz ist somit das Blättern im Familienalbum aller Glaubenden - sie ist auch unsere Mutter. Sie zeigt uns Jesus aus ihrer Perspektive, der einer Mutter. Entdecken wir ihn!


             Ihr Pfarrvikar Christian Nowak

 

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